8. Juli 2024

Buchenwald um Sassnitz

Im Jahre 2006 war ich das erste mal an der Ostsee, der letzte Urlaub auf Rügen ist auch schon über zehn Jahre her. Das Ziel, das ich an der Ostsee angesteuert habe, war in den letzten Jahren immer Zingst. Das Horizonte-Festival zieht mich magisch an! Was dort der fotobegeisterte Mensch geboten bekommt, ist schlichtweg sensationell. Jedes Jahr gibt es ein Thema. Dieses mal war „Fauna“ angesagt. Wer aber glaubt, dass man jetzt nur Tierportraits sehen wird, der irrt! Viele der Aufnahmen werden in Beziehung zur Umwelt und vor allem mit dem Menschen gezeigt. Ganz besondere Beziehungen. Sei es, dass man mit einem Schwein zusammen im Bett schläft, mit Stabheuschrecken das Wohnzimmer teilt, oder tatsächlich sein verstorbenes Schoßhündchen präpariert auf dem Sideboard stehen hat.

Kurioses/ Schräges (krank) hat die junge Französin Melanie Wenger dokumentiert und in der Leica Galerie gezeigt: Auf der Hochebene von Texas werden importierte afrikanische Tiere auf Ranches gejagt und geschossen…

Wenn man in Zingst an der Seebrücke zum Strand hinuntergeht, sind die spektakulären Aufnahmen von Michael Muller nicht zu übersehen. Riesige Bilder von Haien, die furchteinflößender nicht sein könnten. Solche Bilder kann nur ein Adrenalinjunkie fertig bringen. Außergewöhnlich!

Natürlich gibt es im Internet wesentlich mehr Informationen zum Horizonte-Umweltfestival Zingst. Meine absolute Empfehlung!

Dieser kleine Abstecher nach Zingst musste einfach sein! Es sind ja auch nur knappe 100 Kilometer von Zingst nach Sassnitz. Als Tagestour kann man das schon mal einplanen. Hier soll es aber um die schönen Buchenwälder rund um Sassnitz gehen. Die Stubnitz ist eine ca. 2400 ha große hügelige Waldlandschaft an der Ostküste der Halbinsel Jasmund auf der Ostseeinsel Rügen. Sie erstreckt sich von der Stadt Sassnitz bis zur Ortschaft Lohme und ist heute fast vollständig Bestandteil des ca. 3.000 ha großen Nationalparks Jasmund. Sassnitz erhielt 2012 den UNESCO-Weltnaturerbe-Titel für die reichhaltigen Buchenurwälder im Nationalpark Jasmund. Nordöstlich an die Kernstadt angrenzend beginnt die Kreideküste.

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, ist für mich die Waldfotografie ein schwieriges Unterfangen. Irgendwas ist immer störend bei der Bildgestaltung. Entweder ist der Himmel zu weiß, der Kontrast zu stark oder ein Ast macht die Komposition kaputt.

Hier, nördlich von Sassnitz, ist es nicht anders. Der Buchenwald auf Rügen ist schon was Besonderes. Je nach Aufnahmeperspektive kann man Wald und Meer im Bild vereinen. Naherholungsgebiet kann man das hier nennen. Entsprechend viele Menschen sind dann auch im Wald. Ich habe mir den schlechtesten Tag überhaupt ausgesucht! Am 9. Mai war Vatertag. Oder Herrentag wie er im Osten genannt wird. Ganz schlechtes Timing! Dieser Tag läuft jedoch genau so ab wie zu Hause. Bollerwagen, Fahrräder, Spaziergänger. Und natürlich Musik. Das heißt, wenn man einen Spot gefunden hat, warten. Aber es lohnt sich!

Man läuft an manchen Stellen an der Abbruchkante entlang. Vorsicht ist geboten. Viel Wurzelwerk ist zu sehen. Ob das mit der Bodenbeschaffenheit oder allgemein mit den Wetterbedingungen (heftige Winde) zu hat, kann ich nur spekulieren. Das freigelegte Wurzelwerk ist teilweise sehr großflächig. Entsprechend habe ich mal wieder die Bracketing-Funktion meiner Kamera genutzt. Meist reichen 4-6 Aufnahmen mit meinem 23er Weitwinkel. (Das sind 18mm bei Vollformat) Die längste Brennweite ich vor Ort benutzt habe waren 50mm. Anfang Mai stehen die Bäume voll im Saft. Diese stehen an manchen Stellen so eng, das man fast keinen Himmel sehen kann! Ganz besonders war das bei den Süntelbuchen zu sehen.

Im Waldpark Semper bei Lietzow gibt es eine außergewöhnliche dendrologische (Die Lehre von Bäumen und Gehölzen) Rarität: Die so genannte Süntelbuche – im Volksmund auch Krüppel- oder Hexenbuche genannt. Die zehn Buchen im Park wurden im Jahr 1920 gepflanzt. Die Süntelbuchen können ein Alter von über 200 Jahren erreichen und sind als Naturdenkmal geschützt. Diese Bäume bilden bei einem geschätzten Durchmesser von 20 Metern ein dichtes Blätterdach! Das Besondere an diesen Süntelbuchen ist ihr Wuchs. Kreuz und quer wachsen die Äste! Zum Boden hin, zum Nachbarbaum als wollten sie zusammen kommunizieren. Ein starker Ast beschreibt einen Halbkreis von mindestens fünf Meter im Durchmesser! Ein Wunder, das dieser nicht schon abgebrochen ist. Aber wie das so ist, es gibt immer wieder rücksichtslose Menschen, die meinen, sie müssten ihre Initialen in der Rinde zurücklassen.

Sollte man hierherkommen ist ein Stativ im Grunde Pflicht. Dieser Ort ist bestimmt im Herbst ein noch lohnenderes Motiv. Wenn man mit offenen Augen durch diesen Wald läuft, begegnet man mit viel Phantasie auch einigen Gesichtern, Trolle, Fabelwesen. Ähnlich wie im Sabawald. Anfangs galt meine ganze Aufmerksamkeit den Bäumen. Je länger ich mich im Wald aufhielt, desto mehr wurde das freigelegte Wurzelwerk mein Hauptmotiv. Beeindruckend, wie sehr diese den Baum an der Abbruchkante halten können!

Eine Anmerkung noch zur Präsentation der Bilder: Im Moment fasziniert mich die Darstellung in Schwarz-Weiss. Der schwarze Rahmen um das Motiv macht für mich das Bild interessanter.

Viel Spass beim Anschauen der Bilder!

Kommentare

Robert Müller schrieb am 9. Juli 2024

Hallo Peter
Eine super Idee die Bäume mal von unten anzuschauen, sprich das Augenmerk auf die Wurzeln zu legen. SW ist hier perfekt gewählkt und verstärkt den mystichen Eindruck enorm.
Ich werde mir das mal zu Herzen nehmen und auch bei uns im Wald den Blick etwas senken.Denn auch wir haben hier im Einzugesbreich des ehemaligen Vulkans „Steinsberg“ einige Stellen bei denen Baumwurzeln „freigeweht“ sind.
Gruß
Robert

wolle schrieb am 10. Juli 2024

Hi Peter,
wie ich sehe, mal wieder unterwegs gewesen . Diese Motive sind für mich auch immer ein highlite und absolut fotografierenswert !! Das erinnert mich sofort an die “ Ent´s und Baumbarth´s “ im Film Herr der Ringe, wo sehr viele dieser mystischen Gesellen versammelt sind – wenn ich so etwas in natura sehe, fühle ich mich sofort in eine eigene Märchenwelt versetzt. Deine Darstellung hierzu trifft das Thema genau, ich hatte aber auch schon einzelne freistehende markante Bäume farbentsättigt gesehen – sowas geht auch. Ein weiteres interessantes Thema in Deiner Archivsammlung – freue mich auf mehr …….
Grüsse
wolle

Rainer Mathes schrieb am 10. Juli 2024

Hallo Peter,
vor 6 Jahren bin ich von Sassnitz zum Königstuhl, immer an der Abrisskante entlang gewandert und habe fotografiert. Farbbilder eben. Auf die Idee, diese in s/w zu konvertieren bin ich nicht gekommen. Auch habe ich solch tolle Motive nicht gesehen.
Ich kann Dir nur mein höchstes Kompliment für deine Bilder aussprechen. Die sind absolut perfekt und s/w mit diesen Tonwerten ist einfach genial.
Den Rückweg nach Sassnitz habe ich damals über die großen Kieselsteine, direkt am Wasser gemacht, fotografisch völlig uninteressant. Ich glaube, dass man mittlerweile gar nicht mehr runter ans Wasser kann.
Grüße
Rainer