10. Januar 2022

Medienhafen, Innenhafen…

Anfang November 2021 machten sich vier Leute vom Sandhäuser Fotoclub, plus einem „Gast“, auf den Weg nach NRW. Einen Kurzfototrip zum Medienhafen nach Düsseldorf. Die Fahrt dorthin schafften wir ohne Zeitverzögerung. Erwähnenswert, weil das heutzutage nicht mehr so selbstverständlich ist. Eine nahgelegene Tiefgarage verschaffte uns weiteren Zeitvorteil, sodass wir sofort mit dem Fotografieren loslegen konnten. Mein Stativ mitzunehmen ist für mich mittlerweile kein Handicap mehr. Seit ich mit der GFX fotografiere, gehört das Teil automatisch mit dazu. Wichtig: Es hat nicht geregnet! Zum einen ist es für die Aufnahmen nicht förderlich, zum anderen zieht mich Regen gemütsmäßig ziemlich runter. Grundsätzlich. Erst recht, wenn das Fotoziel mehrere Stunden Autofahrt entfernt ist! Die Wolkendecke war schon sehr dicht. Anfänglich. Gegen Mittag wurde es dann heller. Aber wie gesagt: Mit Stativ ist das völlig egal ob ich 1 Sekunde belichte, oder 1/60. Das Bildergebnis entschädigt für die Schlepperei.

Zu den Motiven. Vermutlich kennen viele die drei „tanzenden Türme“ am Anfang des Hafens. Auch unter „Neuer Zollhof“ bekannt. Es scheint, als hätte man glänzende Kacheln oder Alufolie als Fassade benutzt. Je nach Perspektive und Tageszeit färbt sich diese immer wieder aufs Neue anders! Der Architekt Frank Gehry stellte diese Gebäude 1999 fertig. Übrigens ist er auch verantwortlich für den Entwurf des Guggenheim Museums in Bilbao. Dann gibt es ein Gebäude namens Colorium. Erbaut von einem britischen Architekten. 62 Meter hoch und ist das markanteste Gebäude im Düsseldorfer Medienhafen. Die Fassade besteht aus 2200 Glaspaneelen, die mit bunten geometrischen Flächen gestaltet sind. Das oberste Geschoss des zweithöchsten Gebäude im Hafen ragt weit bis ins Hafenbecken hinaus und ist nachts beleuchtet. Auch die zwei Türme des Hyatt Regency Hotels sind sehenswert. Für mich persönlich aber ist die Treppe zwischen den Türmen DAS fotografische Highlight im Medienhafen! Man muss schon etwas Geduld aufbringen, um diese Location menschenfrei fotografieren zu können! Aber das Warten lohnt sich definitiv! Nach einer guten Pizza machten wir noch Nachtaufnahmen. Hier allerdings in Schwarz-weiß zu sehen! (Ich habe vorher noch nie Nachtaufnahmen nach SW konvertiert)

Am selben Abend ging es noch weiter nach Duisburg ins Hotel Campanile. Von Thomas sehr gut ausgesucht und gebucht. Danke dafür! Man geht quasi die Tür raus und ist schon am Wasser des Innenhafens. Wir hatten uns vorgenommen, wenn man schon mal hier ist, die Ausstellung von Andreas Gursky in der Küppers-Mühle, Museum für Moderne Kunst, zu besuchen. Über seine Werke läßt sich natürlich unter uns Fotografen trefflich streiten! Dazu etwas später. Der Weg zum Museum geht etwas mehr als einen Kilometer am Wasser entlang. Auch da gibt es sehr viel abzulichten. Zum Beispiel alte Industriekultur in Form von alten Kränen vor moderner Architektur. Aber auch direkt vor der Fassade eines Hauses! Oder der sehr moderne Bürokomplex „Five Boats“. Gegenüber ist das jüdische Gemeindezentrum Duisburg. Beim unverputzte Stahlbeton kommt die Vermutung auf, es handelt sich hier nur noch um Fragmente eines Gebäudes. Aber weit gefehlt. Am interessantesten scheint die Architektur mit einem Blick von oben. Aber wer hat den schon? Im Museum selbst gibt es zwei sensationell gestaltete Treppenhäuser! In Beton gegossen. Man sieht sogar die Spuren der Einschalung. Um es nicht so kalt aussehen zu lassen, hat man das ganze mit einer hell-orangenen Farbe gestrichen. Leider hat man uns verboten, die Stative mitzunehmen. Schade!

Am nächsten Tag ging es zu Tiger&Turtle. Diese Großskulptur steht auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark in Duisburg. Das begehbare Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth, ist im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 entwickelt worden. Aber hier war jegliche Geduld sinnlos! Es gab keine Chance, das doch sehr große Teil ohne Menschen abzulichten. Schon nervig. Aber, da machste nix! Vielleicht sollte man nochmal hierher kommen. Dann abends, wenn das beleuchtet ist. Bei einer Langzeitbelichtung kann man eventuell die darauf laufenden Menschen eliminieren.

Am Ende der drei Tage besuchten wir noch in Essen die Zeche Zollverein. Die beste Gelegenheit, meinen Sohn zu treffen, der in Essen wohnt. Das hat auch geklappt. Der Besuch war relativ kurz, weil es nach drei Stunden doch noch angefangen hat zu regnen. Das war dann auch der Startschuss für die Heimfahrt. Beim nächsten Besuch in Essen werde ich mir mehr Zeit für den Zollverein nehmen.

So, jetzt nochmal zu Andreas Gursky. Die Idee, hierher zu fahren, war schon vor längerer Zeit geboren. Ich sah bei Youtube eine Reportage über den Fotografen. Er machte Aufnahmen von einer Kaue. Wikipedia erklärt das so: Vor Schichtbeginn zieht sich der Bergmann in der Weißkaue aus, hängt seine Privatkleidung auf den Weißhaken und zieht diesen hoch. Dann geht er nackt zur Schwarzkaue und zieht seine Arbeitskleidung, die ebenfalls auf einem Haken an einer Kette hängt, an. Nach getaner Arbeit geht dieser Ablauf andersherum, dann allerdings mit Benutzung der Brausen. „Kaue“ – Diesen Begriff hatte ich vorher noch nie gehört. Aber was für ein Motiv! (Das Bild war in der Ausstellung zu sehen) Sowas wollte ich auch mal fotografieren. Bevor wir diese Tour hierher unternommen hatten, recherchierte ich und kam auf kein für uns positives Ergebnis. Kein Einlass wegen Umbau, Kaue geschlossen oder halt Corona bedingt. Also keine Aufnahme á la Gursky? Der bestbezahlte Fotograf der Welt (z.B. „99CentII“ wurde für 3,3 Mio. Dollar verkauft. RheinII für 2,2 Mio.) macht auch minimalistisch Bilder. Wie eben RheinII oder das Bild mit dem Bauhaus Schriftzug. Nur um zwei zu nennen. Nach dem Ausstellungsbesuch motiviert, versuchte ich mich an Gursky-Adaptionen! Bitte, nicht verkehrt verstehen! Ich will nicht anmaßend sein. Aber probieren kann man das ja mal. Meine Interpretation von Gursky Aufnahmen sieht man in den letzten drei Bildern meiner kleinen NRW-Serie. Vielleicht auch der Anstoß für eine Diskussion.

Viel Spass beim Anschauen der Bilder!

Kommentare

Renate Kaltschmidt-Weber schrieb am 12. Januar 2022

Lieber Peter,
wieder tolle Bilder!
Auch sehr interessante Fahrt und Bericht von Dir nach NRW!
Würde ich mit Stefan komplett auch machen wenn die Zeit zum Reisen wieder besser wird!
Liebe Grüße nach Leimen
Renate

Besch Helmuth schrieb am 12. Januar 2022

Hallo Peter,
habe Anfang der 80er ca. 3 Jahre in Düsseldorf gelebt und später noch Freunde besucht. Ich kenne die Gegend daher recht gut und habe auch dort einige Fotos (Jahre her) gemacht.
Meine große Anerkennung und Glückwunsch für diese erstklassigen Fotos, die ich heute leider nicht mehr selber fotografieren kann/könnte.
Echt großartig
Helmuth

Wolfgang schrieb am 13. Januar 2022

Peter,
habe mich heute mit dem Thema beschäftigt – obwohl ich als „Gast“ mit von der Partie war !!!
Allererste Sahne – das Bild der Treppe zwischen den Türmen ist mein highlight – sehr einnehmend (im positiven Sinne), wenngleich die weiteren Aufnahmen ebenso beindruckend sind – hat wirklich Spass gemacht. Ich hoffe, wir schaffen bald wieder so eine Tour zusammen.
Weiter so ……………..
Wolfgang