17. August 2016

Meine Zweite Liebe – Fuji

Meine erste Liebe zur Fotografie begann 1973 mit dem Kauf einer Canon F1. Seinerzeit schrieb ein gewisser Nörgelmann – alias Alexander Borell – einen Praxistest im Foto Magazin über eben diese Kamera von Canon. Zur Auswahl standen damals nur die Nikon F oder die Canon F1. In einem Mannheimer Fotogeschäft wollte man mir partout die Nikon schmackhaft machen. Ich ließ mich nicht beirren und verließ – stolz wie Oskar – den Laden mit einer nagelneuen F1 und einem Normalobjektiv von 50mm mit Lichtstärke 1,4.

Zu dieser Zeit war das 50mm Objektiv die Standartbrennweite. Kein Mensch dachte damals an ein Kit-Zoom. Das Umfeld beneidete mich um diese Kamera, hauptsächlich bei der Bundeswehr. Dort war ich während meines Wehrdienstes der einzige gelernte Werkzeugmacher unter lauter Fotografen, Retuscheuren und Reprofotografen.

Nach und nach kamen einige Objektive ins Haus. Besonders stolz war ich auf das Zoom Vivitar Serie 1! Bei diesem Objektiv konnte man mit einem Ring Brennweite und Schärfe einstellen. Genial!

In Fotozeitschriften wurden vermehrt Testberichte veröffentlicht, die die Abbildungsleistung verschiedenster Objektive darstellten. Und immer waren Festbrennweiten besser als ein Zoom. (Was auch heute noch der Fall ist.) Fremdobjektive waren meistens schlechter als die der Kamerahersteller. (Was heute nicht mehr unbedingt der Fall ist!).

Gänzlich zum Staunen brachte mich eine Bildveröffentlichung vom damaligen US-Außenminister Henry Kissinger. Er hielt eine Akte in der Hand mit der Aufschrift: „Top Secret!“ In gestochener Schärfe. Und höchstwahrscheinlich auch aus einiger Entfernung aufgenommen mit einer Canon Kamera und dem schon fast legendären 300mm 2.8. Für mich war das der Grund, nur noch Canon Objektive zu kaufen.

Naiv? Bin ich damals der PR auf den Leim gegangen? Egal. Ich war all die Jahre immer sehr zufrieden mit dem was Canon lieferte. Erst recht, als der Image-Stabilisator aufkam. Diese technische Finesse bestätigte mich in der Entscheidung pro Canon.

Doch nach und nach gab es dann auch negative Erlebnisse.

  • Das erste hatte ich an einem Wasserloch in Namibia: Dort ging nach nur 20.000 Auslösungen der Verschluss meiner 1D Mark II kaputt. CPS wollte mir zu Hause weismachen, es handele sich um einen Fallschaden. (Die Kamera ist mir nie runtergefallen!)
  • Bei einer Reise nach New York ließ sich meine 5D Mark II nicht mehr ausschalten.
  • Beim Body Painting-Festival 2016 blieben die Blendenlamellen meines 24–105mm hängen!

Solche Dinge kann man auf Fototouren nicht gebrauchen! Vor allem, weil sich die meisten dieser Situationen nicht so einfach wiederholen lassen.


(Die Fairness halber muss ich zu den folgenden Abschnitten anmerken, dass ich erst drei Jahre mit Fuji arbeite. Wer weiß, was da noch alles kommt…)


Nicht nur auf Grund dieser Ereignisse, schaute ich mich nach anderen Kameras um. Und Leser meiner Website wissen schon länger, dass ich bei Fuji hängen geblieben bin.

Das ganze Konzept dieser Firma ist einfach überzeugend. Die Objektive absolute Spitzenklasse. Da kommt ein Firmware-Udpate nach dem anderen. Da wird nicht einfach: „Pech gehabt!“ gesagt, wenn eine neue Kamera mit einem neuen Autofocus auf den Markt kommt! Nein, da wird kurzerhand eine Firmware für das „alte“ Model mit eben diesem neuen, verbesserten Autofocus zum Aufspielen, kostenlos ins Netz gestellt.

Bei Canon gibt es vielleicht mal eine neue Sprache. Und warum diese Firma keine spiegellose Kamera auf den Markt bringt, ist bestimmt nicht nur mir schleierhaft. (Ich rede in diesem Fall von einer konkurrenzfähigen Kamera.) Aber diese Dinge habe ich schon an anderer Stelle zu Genüge angemerkt.

Fuji hat es tatsächlich fertig gebracht, mich zu einem Weitwinkelfotografen zu machen! War ich zu Canon-Zeiten eher der Tele-Fan. Mittlerweile sind es die Brennweiten 23mm (35mm), und insbesondere das 16mm (24mm), die mich zum Schwärmen bringen. Gemeinsam mit meiner X PRO–2 ist letzteres mein absoluter Favorit.

Man sagt, das Perfekte ist der Feind des Guten. Perfekt ist das 1,2 56mm (85mm). Was dieses Objektiv an Schärfe abliefert, ist der pure Wahnsinn. Striche- und Sternetester meinen, dass das 90mm (135mm) noch eine Spur besser wäre. Da ich keine Striche und Sterne fotografiere, sondern Bilder machen will, sehe ich das etwas anders. Das 56er zaubert ein wunderschönes Bokeh und zeichnet unglaublich scharf – und letzteres schon bei offener Blende. Geschuldet ist das der „inneren“ Bildbearbeitung der Fujikameras. Was soll’s. Die Kamera produziert JPGs – da träumt man davon. Ich habe noch nie solche harmonischen Ergebnisse anderer Kamerahersteller gesehen. Dieses Objektiv hat Charakter.

Bei Fuji bin ich mit dem Vorsatz angetreten, nur lichtstarke Festbrennweiten zu verwenden. Aber Meinungen sind ja dazu da, um geändert zu werden: Was kümmert mich das Geschwätz von gestern!

Neugierig gemacht durch viele Artikel bei fujirumors.com, bzw. tomen.de, besuchte ich den Händler meines Vertrauens und ließ mir das 100–400mm auf die Kamera „schrauben“. Man muss sich das vorstellen: 150–600mm aus der Hand. Und das funktioniert auch noch! Cashback und Vitrinenmodell machten mir die Entscheidung etwas leichter. Was soll ich sagen: Jetzt habe ich halt doch wieder einen Klotz zum Rumschleppen! Natürlich habe ich in der Vergangenheit auch das Gewicht als Argument gebracht. Überhaupt – in meinem Alter! Aber man stelle sich Canons 600mm bzw. 800mm Teleobjektive vor! Die Fuji kommt mit angesetztem Konverter locker über 800mm Brennweite – und immer noch aus der Hand! Verrückt, aber es funktioniert immer noch!

Beweisbilder seht ihr hier. Den Graureiher am kleinen Wasserfall habe ich im Heidelberger Zoo fotografiert. Ich wollte das Wasser fliesend haben und konnte so die Grenze des „Haltbaren“ austesten. Verschlusszeit bei diesem Bild: 1/10 Sek!

Graureiher am Wasserfall
F10, 1/10 Sek., ISO 200 @ 160mm

Der Gorilla im gleichen Zoo mit Konverter: 1/40 Sek! Es ergeben sich unglaubliche, für mich absolut neue Bildperspektiven. Man muss aber dazusagen, dass man bei diesem Objektiv bei 400mm eine Stufe abzublenden sollte. Die Schärfe ist bei 100–300mm schon besser. Aber es ist wie so oft: Das ist Jammern auf hohem Niveau!

Mit dem 100–400mm ging es auch dann mit meinem ehemaligen (Muss ich jetzt sagen, da ich in Rente bin!) Geschäftskollegen Jürgen nach Stuttgart in die Wilhelma. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an so eine Brennweite gewöhnt. Ich habe mich öfter ertappt bei dem Gedanken: „Verdammt, schon Schluss?“ Man reizt die Brennweite doch sehr gerne aus – was man auch bei den Bildern von den Pelikanen sieht. Dieser Vogel sieht – aus der Nähe fotografiert – schon ziemlich seltsam aus! Man könnte meinen, der Schnabel bestehe aus vielen farbigen Schichten, mit einem großen Daumennagel am Ende.

An diesem Tag habe ich – für mich persönlich – ein Highlight des Jahres fotografiert. Nicht mit dem neuen Tele Zoom, sondern mit dem besten Standart-Zoom überhaupt (18–55mm), welches Gott sei Dank auch mit OIS ausgestattet ist. Die Aufnahme seht ihr als Eröffnungsbild. Ebenfalls ein Graureiher, hinter einem künstlich produzierten Regenschauer in einer Pinguinanlage. Eines der wenigen Male, in denen ich den manuellen Fokus genutzt habe, da der AF immer auf das Wasser scharf gestellt hat. Da macht das sogenannte Focus Peaking (bei mir eingestellt auf die Farbe Rot) richtig Sinn. Auch hier fast schon eine Langzeitbelichtung – aber Dank OIS ein scharfes Bild!

Ihr seht, ich bin von meinem neuen System begeistert. Ich hoffe, das bleibt auch so.

Viel Spass beim Bilder anschauen!

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